Sankt Fructuosus… ein Juwel der ligurischen Küste

Sankt Fructuosus

Hi, heute segeln wir zu einem Ort mit nur 36 Einwohnern, der an der ligurischen Küste liegt. Sicherlich fragt ihr euch: warum segeln? Kann man da nicht mit dem Auto hin? Die Antwort lautet: nein! Wenn ihr seekrank seid, ist die einzige Alternative eine 2 ½ Stunden Wanderung. Die kann auch etwas länger dauern, da man sicherlich ein paar Stopps einlegt, um von dem tollen Panorama Bilder zu machen oder Videos aufzunehmen! Angesichts der hohen Temperaturen im Sommer und meiner großen Leidenschaft sowohl fürs Segeln als auch Delphinbeobachtung habe ich mich dafür entschieden, mit meinem guten Freund Beppe Veirana an Bord seiner Hans 470e mit dem Namen „Ladies First“ dorthin zu segeln. Ok, wisst ihr schon, um welchen Ort es sich handelt? Egal, macht euch keine Sorgen, ich werde es euch gleich verraten! Der Name des Dorfes ist Sankt Fructuosus und gehört zur Gemeinde Camogli in der Provinz von Genua.

Die Herkunft des Namens Sankt Fructuosus

Sankt Fructuosus was ein christlicher Bischof in Tarragona, Spanien. Im Jahr 259 n.Chr. wurden Sankt Fructuoso und seine zwei Diakone, St. Augurius und St. Eulogius, während der Christenverfolgung unter dem Römischen Kaiser Valerian verhaftet und dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Warum verfolgten die Römer Christen? Die exklusive Souveränität Jesus Christus‘ prallte auf die exklusive Herrschaft des Römischen Reiches. Das Römische Reich verlangte Loyalität gegenüber dem Staat und nicht einem Gott. Religion konnte nur so lange geduldet werden, wie sie zur Stabilität des Staates beitrug.

Die Knochen der Märtyrer wurden eingesammelt und ehrfürchtig von frommen Christen aufbewahrt. Aber warum wird Sankt Fructuosus in diesem ligurischen Dorf so verehrt?

Im Jahr 711 n.Chr. fielen die Araber in Spanien ein und die Bevölkerung musste fliehen. Der Bischof Prosper nahm die Reliquien von Sankt Fructuosus und brachte sie nach einer langen Reise über Sardinien nach Ligurien zu dieser Küste, wo heute die Abtei steht! Der Legende nach erschien Sankt Fructuosus Prosper im Schlaf und riet ihm, die Reliquien an diesen Küstenabschnitt zu bringen.

Märtyrertum und Überführung von Sankt Fructuosus, Huesca, Spanien*
Märtyrertum und Überführung von Sankt Fructuosus, Huesca, Spanien*

Sankt Fructuosus Abtei

Die isolierte Lage, die geschützte Bucht und zahlreiche Quellen machten diesen Platz zum perfekten Ort für die Gründung der Abtei im 8. Jahrhundert.

Am Ende des 10. Jahrhunderts spendete Adelheid von Burgund, die Witwe des Kaisers Otto I., der Abtei keine sehr großen finanziellen Beträge, aber wichtig genug, um als Zeichen des Schutzes des Herrscherhauses von Sachsen zu gelten.

Der Großteil der Gebäude aus dem 10. und 11. Jahrhundert wurde vom Orden des Heiligen Benedikt gebaut. Die Mönche verließen die Abtei im 15. Jahrhundert aufgrund religiöser Konflikte und Überfälle der Barbaren.

1551 übernahm die Familie von Admiral Andrea Doria die Schirmherrschaft über die Sankt Fructuosus Abtei und behielt diese bis 1983. In dem Jahr beschlossen Orietta und Frank Doria Pamphilj die Abtei und ihre 33 Hektar Land der FAI (Fondo Ambiente Italiano) zu spenden.

Auf dem Weg, der die Abtei mit dem Fischerdorf verbindet, sieht man die Treppen, die zum Doria-Turm führen. Er wurde im 16. Jahrhundert gebaut und sollte das Dorf vor den Überfällen der Barbaren schützen. Auf den zwei Seiten, die dem Meer zugewandt sind, kann man das Wappen der Familie Doria sehen, das einen Adler mit weit ausgebreiteten Flügeln zeigt.

Schauen wir uns das Innere der Abtei an ……

Beim Besuch der Abtei sollte man unbedingt auch die kostbare Sammlung von Töpferwaren aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die Details einiger Kapitelle und die dekorativen Stuckarbeiten besichtigen.

Im ältesten Teil der Abtei kann man die Gräber einiger Familienmitglieder der Dorias besichtigen, die aus weißem und grauem Marmor gemacht wurden, der typisch für viele Genueser Kirchen ist. Gräber der Familie Doria, aber nicht nur deren! Ich erzähle euch später mehr dazu – im nächsten Absatz!

Doria-Gräber, Sankt Fructuous Abtei
Doria-Gräber, Sankt Fructuous Abtei

Schiffswrack des englischen Dampfschiffes Croesus und Maria Avegno

1855 geriet das englische Dampfschiff Croesus in der Nähe der Bucht von Sankt Fructuosus in Flammen. Obwohl die Einwohner des Dorfes alles taten, um die Seemänner aus dem Schiffswrack zu retten, starben 24 von ihnen. Leider verlor bei der Rettungsaktion auch eine Einwohnerin von Sankt Fructuosus ihr Leben. Maria Avegno war eine junge Frau und Mutter von 8 Kindern.

Croesus, Francesco Dal Pozzo, Privatsammlung, z. Zt im Restaurant Da Giovanni ausgestellt
Croesus, Francesco Dal Pozzo, Privatsammlung, z. Zt im Restaurant Da Giovanni ausgestellt

Das Königreich Sardinien verlieh ihr posthum eine Goldmedaille und ihren 8 Waisen eine lebenslängliche Rente. Sie war die erste italienische Frau, die diese höchste Auszeichnung erhielt. Auch Queen Viktoria verlieh ihr die höchste britische Auszeichnung! Außerdem findet man ihren Namen im goldenen Buch der Notre Dame Kathedrale auf der Liste der Personen, die gestorben sind, um anderen das Leben zu retten. Obwohl sie kein Mitglied der Doria-Familie ist, liegt ihr Grab in der Nähe der Doria-Gräber.

Alluvionen

1915 stürzte ein Teil der Pfarrkirche aufgrund von Alluvionen ein. Sowohl der Einsturz, als auch das Geröll bildeten den Strand, den man heutzutage genießen kann! Ja ja, du hast richtig verstanden, den gab es vor der Alluvion nicht!

Christus in der Tiefe

Natürlich auch ein paar Worte zur versunkenen Bronzestatue des Jesus Christus von Guido Galletti …..Die Statue wurde 1954 in etwa 17 Metern Tiefe exakt an dem Punkt der Bucht versenkt, an dem Dario Gonzatti 1947 starb. Er war der erste italienische Taucher, der mit Drucklufttauchgerät tauchte. Christus vergibt seinen Segen für Frieden und hat den Kopf und seine Hände gen Himmel gestreckt.

Christ der Abgründe**
Christ der Abgründe**

 

Ok, es sieht so aus, als ob mein Artikel jetzt fertig ist. Es ist Zeit, die Boje zu erlassen und die Segel zu hissen! Tschüss tschüss!

Genießt euren Besuch bei der Sankt Fructuosus Abtei … und vergesst nicht eure Taucherbrille und Flossen zum Schnorcheln in dieser wundervollen Bucht!

*das Foto – vom Buch “Abbazia di San Fruttuoso, FAI, 2013
**das Foto – von der Zeitung Genova Today

 

Bibliographie:
„Abbazia di San Fruttuoso“ a cura di Lucia Borromeo Dina, FAI – 2013;
„Liguria. Mare & Montagna. 50 Itinerari per tutti“; Crescere Edizioni – 2015

 

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