Ein byzantinischer Traum in Kalabrien… Willkommen in der Kirche Cattolica di Stilo!

Ein byzantinischer Traum in Kalabrien?!! Ich weiss, das hört sich komisch an, aber ich habe eine gute „Erklärung“ …. Letztes Jahr haben mir meine Freunde aus Kalabrien Fotos dieses byzantinischen Juwels geschickt. Ich war von Ihren Beschreibungen so fasziniert und träumte seitdem davon, die Kirche Cattolica di Stilo zu sehen. Und meine Eindrücke natürlich mit euch – meine lieben Leser und Follower – zu teilen!

Der Ursprung des Namens

Die Cattolica di Stilo ist eine byzantinische Kirche in Stilo in der Provinz Reggio Calabria.

Stilo, in Griechisch Stylos, bedeutet “Säule”. Die Stadt wurde entweder aufgrund der „säulenartigen“ Form des Berges Consolino oder aufgrund Ihrer Nähe zur alten, griechischen Stadt Caulonia „Stilo“ benannt. In einigen nautischen Unterlagen aus dem 16. Jahrhundert kann man auch den Namen „Stilida“ finden.

Das Wort „Cattolica“ kommt wahrscheinlich vom griechischen Wort „Katholikon“, welches eine Klosteranlage bezeichnet. Tatsächlich war die Gegend zur damaligen Zeit dicht von Einsiedlern besiedelt und eine der wichtigsten religiösen und kulturellen Bezugspunkte.

Ein paar historische Fakten …

Ihr wundert euch sicherlich, was eine kleine kalabrische Kirche mit dem Byzantinischen Reich zu tun hat?!!! Es ist einfacher, als ihr denkt! Das Byzantinische Reich entstand aus der östlichen Hälfte des Römischen Reiches. Als Rom unter dem Einmarsch der Barbaren fiel, blieb Konstantinopel (das Alte Byzanz und heute Istanbul) die einzige Hauptstadt des Römischen Reichs. Die Byzantiner beschlossen, die verlorenen italienischen Gebiete zurückzuerobern und organisierten einen Einmarsch, der zum berühmten Gotenkrieg führte. Das ist der Grund, warum man in Italien viele byzantinische Kirchen bewundern kann!

So, nach dem kleinen geschichtlichen „Umweg“ kommen wir wieder auf die Kirche zurück… Es gibt verschiedene Meinungen bezüglich des Gründungsjahres. Einige Archäologen datieren sie auf das 9.-10. Jahrhundert, andere wie Paolo Orsi auf das 11.-12. oder sogar 13. Jahrhundert. Auf jeden Fall wurde die Cattolica di Stilo das erste Mal in den Vatikanischen Büchern erst in 1324 erwähnt! Natürlich wurde sie, wie andere Kirchen, sowohl als religiöse Kultstätte als auch als Grabstätte genutzt.

Die Architektur der „Cattolica di Stilo“

Die Architektur ist typisch für die mittelbyzantinische Epoche und ist würfelförmig mit fünf aufgesetzten Kuppeln: vier kleinere an den Ecken der Fassade und die höher stehende und größere in der Mitte. Wie man sehen kann, fällt das Licht in die mittlere, dominante Kuppel durch 4 Fensterkreuze ein, während die Eckkuppeln nur zwei einbogige Fenster haben.

Die Außenwände sind aus Ziegelsteinen gebaut und ca. 70 cm dick. Aufgrund der besonderen Lage der Kirche gibt es nur auf der Südseite einen Eingang.

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Das Geheimnis der Säulen

In der Kirche kann man 4 Säulen bewundern, die sich jeweils von der anderen – sowohl in Form als auch Materialien – unterscheiden. Z.B. ist eine aus Granit, die anderen drei aus Marmor. Außerdem werdet ihr sicherlich überrascht sein, die auf dem Kopf stehende Säule zu sehen! Die zwei Säulen direkt am Eingang tragen Inschriften: die rechte in Griechisch, die linke in Arabisch. Es wird vermutet, daß diese 4 Säulen aus alten römischen Villen stammen.

Das Weihwasserbecken

Hab ihr übrigens schon das nicht-byzantinische „fremde“ Objekt in der byzantinischen Kirche entdeckt?! Ja? Nein? …. ich helfe euch dabei! Ich meine natürlich das Weihwasserbecken aus dem 16. Jahrhundert, als die Kirche bereits den lateinischen Ritus übernommen hatte.

Weihwasserbecken
Weihwasserbecken

Das Fresko „Christus Pantokrator“

Wenn ihr in die Kirche tretet, schaut sofort nach oben! An der Decke, auf der rechten Seite, könnt ihr das Fresko „Christus Pantokrator“ bewundern. Vier Engel um Christus herum vereint. Die erwachsenen Gesichtszüge von Christus bezeugen seine Wiedergeburt und das Erlösungsopfer. An den Wänden um dieses Fresko sehen wir die Apostel. Mit Sicherheit könnt ihr das erste Gesicht rechts erkennen – Paulus. Dahinter befindet sich sehr wahrscheinlich Johannes.

Christus Pantokrator
Christus Pantokrator

Das Fresko „Schlafende Jungfrau Maria“

Lasst uns jetzt das Fresko mit der schlafenden Jungfrau Maria an der rechten Wand betrachten! Die Farben der Kleider der Jungfrau Maria haben eine bestimmte Bedeutung: rot – als Symbol der menschlichen Natur und blau – als Symbol des Göttlichen. Die gelben, französischen Lilien auf dem blauen Mantel verströmen Gelassenheit und Freude im Angesicht des Todes. Schlafende Jungfrau Maria ist von den trauernden Aposteln und Heiligen umgeben. Am unteren Rand des Freskos kann man einen Engel sehen, der mit einem Schwert in die Hand des Teufels sticht, damit er die Jungfrau Maria nicht berührt. An der Oberseite des Freskos sehen wir Christus, der ein Bild der Jungfrau Maria trägt … Was bedeutet das? Natürlich die Aufnahme von Marias Seele!

Schlafende Jungfrau Maria
Schlafende Jungfrau Maria

Auf der linken Seite des Freskos – die Szene von Mariä Verkündung: der Erzengel Gabriel überbringt Maria gute Neuigkeiten und segnet sie. Auf der rechten Seite – Longinus preist Gott.

Die Lünette „Darstellung des Herrn“

Josef und Maria bringen ihren Erstgeborenen zum Tempel. Der greise Simeon und die Prophetin Hanna heißen sie willkommen. Nachdem er das Baby auf den Arm genommen hat, verkündet der greise Simeon seine Freude, Jesus gesehen zu haben.

Darstellung des Herrn
Darstellung des Herrn

Andere Fresken der „Cattolica di Stilo“

Wie man erwarten kann, wurden nicht alle Fresken mit Erfolg interpretiert. Einige Heilige blieben unbekannt, andere sind Hypothesen von Wissenschaftlern. Hier unten könnt ihr ein paar Bilder sehen. Viel Spaß dabei!

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So, mein Artikel ist zu Ende! Hoffentlich konnte ich euch dazu inspirieren, diesen byzantinischen Schatz zu entdecken! Seit 2006 steht die Kirche Cattolica di Stilo auf der Liste, um ins UNESCO-Welterbe aufgenommen zu werden. Im Jahr 2015 wurde sie ausgewählt, die Region Kalabrien auf der Expo zu repräsentieren. Glaubt mir, sie ist wirklich einen Besuch wert! Wenn ihr dort seid, nutzt auch die Gelgenheit , ihren „Zwilling“ zu besichtigen – San Marco in Rossano!

 

Bibliographie:
„La Cattolica di Stilo“, Elia Fiorenza, Laruffa Editore Srl – 2016;
„Stilo e la vallata dello Stilaro“, Francesco Sorgiovanni, Laruffa Editore Srl – 2002;
Internet site: http://www.cattolicadistilo.it

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