Stromboli… ein lebender Beherrscher des Meers!

Guten Morgen, meine lieben Leser und Follower! Dieses Mal wird unsere Reise ein wenig anders! Ich hoffe, ihr leidet nicht an der Seekrankheit oder Schwindelanfällen! Ok … seid ihr bereit, unsere Anlegestelle zu verlassen und zu einem der aktivsten Vulkane Europas zu segeln? Seid ihr neugierig darauf, ihn zu besteigen und zahlreiche Eruptionen von oben zu erleben? Wollt ihr außerdem entdecken, welcher Vulkan Mark Twain verzaubert hat und Roberto Rossellinis Film „Stromboli – Gottesland“ inspiriert hat? Ich bin mir sicher: ja! So, willkommen an Bord! Wir segeln nach Stromboli – “einem lebenden Beherrscher des Meeres”!

Warum nennt man mich Stromboli?!!

Nach sechs Stunden Fahrt von Kalabrien können wir endlich vom Bug unseres Segelschiffes die Insel genauer sehen … Als erstes fällt dabei die perfekte, konische, RUNDE Form auf! Wahrscheinlich hatten vor vielen vielen Jahren die Griechen die gleiche Ansicht und nannten sie daher „Kreisel“, in Altgriechisch „Strongyle“.

Stromboli von unserem Segelboot

Prächtiger Stromboli … ein lebender Beherrscher des Meeres!

Je näher unser Segelboot an den Vulkan heran kommt, desto mehr sind wir von seiner Majestät verzaubert … Der Wind hilft uns und wir sind genau auf dem richtigen Kurs. Auf einmal tauchen drei Delfine auf und beginnen, am Bug zu spielen. Meine Augen füllen sich mit Tränen – Tränen des Staunens und Glücks! Ich sage zu mir selbst: „atme einfach tief durch“, aber ich kann meine Gefühle nicht zurückhalten. Und das ist erst der Beginn meines Abenteuers auf dem Stromboli.

Delfine, Stromboli

Die Abenddämmerung zieht langsam auf. Ich gehe hinunter in die Kabine, öffne mein Buch und lese meinen Freunden laut daraus vor:

“… erblickten wir den herrlichen Stromboli. Mit welcher Majestät der Monarch seine einsame Stellung hoch über dem flachen Meer bewahrte! Die Entfernung hüllte ihn in purpurne Düsternis und breitete einen Schleier schimmernden Dunstes über ihn, der seine rauhen Züge so milderte, dass wir ihn durch ein Gespinst aus Silbergaze zu sehen schienen. Seine Fackel war verloschen, seine Brände schwelten; die hohe Rauchsäule, die von ihm aufstieg und sich im heller werdenden Mondlicht verlor, war das einzige Zeichen, wodurch er erkennen ließ, er sei ein lebender Beherrscher des Meeres und nicht der Geist eines toten.”

Habt ihr das Buch erraten? Wer ist der Autor, der von Stromboli „verzaubert“ wurde? Natürlich, Mark Twain! Lest einfach „Die Arglosen im Ausland“!

So, wir sind angekommen … aber die Show ist noch nicht vorbei! Bevor wir ankern, bewundern wir erst noch den berühmten „Lavastreifen“, die sogenannte „Sciara“! Was möchte man mehr?! Feuerstreifen, Sternschnuppen, liebe Freunde und eine Flasche des exzellenten Rotweines ETNA DOC – nur um beiden sizilianischen Vulkanen Anerkennung zu zollen!

Lavastreifen, Stromboli*

Stromboli, Gottesland

Nach einer erholsamen Nacht auf dem Boot und einem erfrischenden Bad im Meer am Morgen sind wir bereit, um San Vincenzo zu erkundigen! Man kann das Haus einfach gar nicht verfehlen, in dem der Regisseur Roberto Rossellini und die Schauspielerin Ingrid Bergman ihre Liebesgeschichte lebten! Wisst ihr übrigens, wie ihre Liebesgeschichte begann?!

„Schuld“ ist ein Brief, den Ingrid Bergman an Roberto Rossellini geschrieben hat. Sie bewunderte seine Arbeit und wollte mit ihm einen Film machen. Sie gründeten eine gemeinsame Produktionsfirma für den Film „Stromboli“. Obwohl der Film nicht den erwarteten Erfolg brachte, gewann Bergman den italienischen Filmpreis „Silbernes Band“, der als einer der ältesten Filmpreise Italiens gilt. Wie ihr euch denken könnt, verliebten sich der Regisseur und die Schauspielerin während der Dreharbeiten. Also aufpassen: unser Vulkan kann auch in euren Herzen Flammen entzünden!

Aufstieg zum fantastischen Stromboli

Stromboli, „Iddu“ im sizilianischen Dialekt, ist einer der aktivsten Vulkane Europas. Also unterschätzt nicht einige wichtige Regeln: NUR mit einem fachkundigen Führer aufsteigen, Wanderschuhe mit langen Socken, Taschenlampe, Antismog-Maske und, natürlich, Wasser!

Unser Ziel ist es, einen Höhenunterschied von 918 zu überwinden! Allerdings wissen nur wenige, dass seine eigentliche Höhe 2400 m ist. Ich meine damit die Höhe des Vulkans vom Meeresboden bis zur Spitze. Der Großteil des Vulkans ist unter Wasser versteckt!

So, seid ihr bereit?! Lasst uns losgehen! Während des Aufstiegs könnt ihr die Bucht mit den Segelbooten, Strombolicchio und San Vincenzo von oben bewundern … Nach jedem Schritt stoppt man, um ein Foto und Video zu machen oder um einfach das atemberaubende Panorama zu genießen. Im Grunde genommen macht es keinen Sinn, es zu beschreiben … ich überlasse es lieber eurer Phantasie oder besser noch eurer eigenen Erfahrung auf dem Stromboli.

Wanderung am Stromboli

Vulkan-Feuerwerk

Am sogenannten Pizzo angekommen, bemerkt man, dass die Erde lebt: dicker Rauch, Schwefelgeruch und zahlreiche Explosionen. Sind wir in der Hölle?! Nein, ihr seid im Paradies, da ihr die Möglichkeit habt, drei eruptierende Krater zu sehen – ein Wunder der Natur! Die berühmten eruptierenden Krater, aus denen Professor Lidenbrock und sein Neffe Axel geschleudert wurden! Sagen die Namen euch etwas? Habt ihr jemals „Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne gelesen?

Während ich auf dem Vulkansand sitze und von seiner Pracht verzaubert bin, kommen mir Axels Worte in den Sinn: „Stromboli! Wie regte dieses unerwartete Wort meine Phantasie an! Wir befanden uns in der Mitte des Mittelländischen Meeres, auf der Insel, wo einst Aeolus die Winde und Stürme gefesselt hielt. Und diese blauen Berge im Osten waren die Berge Kalabriens. Und dieser am südlichen Horizont ragende Vulkan der fürchterliche Ätna.“

Strombolicchio

Während man auf dem Stromboli steht, wird man neugierig auf die nahegelegene Felseninsel mit dem Leuchtturm …. Es ist ein Vulkankegel und der Überrest der ursprünglichen Ausbrüche des Vulkans vor 200.000 Jahren. Strombolicchio, der sogenannte „kleine Stromboli“, ist unbewohnt: es gibt weder Süsswasser noch Land zur Bebauung … Trotzdem kann man dort ein paar seltene Arten sehen, sogar welche, die vom Aussterben bedroht sind.

Strombolicchio

Kann man die Insel besichtigen? Auf jeden Fall! Zum Leuchtturm kommt man über eine Treppe mit 200 Stufen und kann von der kleinen Terrasse dort oben den wundervollen Blick genießen. Wer gerne taucht, sollte es nicht versäumen, die Unterwasserwelt dieses Juwels zu erkunden: Seeanemonen, rote Gorgonien, Seesterne, Schwämme und Korallen!

Strombolicchio See

So, es wird Zeit, mich zu verabschieden! Leider segeln wir dieses Mal nicht nach Ginostra, aber das ist ein guter Grund, um bald wieder zu kommen!

*Foto von der Internet-Seite http://www.clarissaviaggi.it

Bibliographie:
„Eolie. Perle del Mediterraneo“, Edizioni Affinità Elettive – 2006;
„Sicilia. Guide Verdi d’Italia“, Touring Club Italiano – 2017;
„Il giro della Sicilia in 501 luoghi. L’isola come non l’avete mai vista“, Enzo Di Pasquale, Newton Compton Editori – 2014

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