Civita di Bagnoregio – eine sterbende Stadt, die man gesehen haben muss

11 Einwohner und nur über eine Fußgängerbrücke erreichbar … scheinbar ein perfekter Ort, um sich zu besinnen und in einer anderen Dimension wiederzufinden. Hier kann man sich etruskisch, römisch oder sogar japanisch fühlen. Ihr fragt euch sicherlich, was Japan mit einer Reise durch Italien zu tun hat?! Vertraut mir, es gibt einen speziellen Grund! Und, seid ihr schon neugierig?! Lasst uns in eine sterbende Stadt gehen, die man gesehen haben muss – Civita di Bagnoregio!

Der Ursprung des Namens „Civita di Bagnoregio“

Civita di Bagnoregio ist eine Fraktion der Gemeinde Bagnoregio und liegt zwischen dem Fluß Tiber und dem Bolsenasee, nur 120 km nördlich von Rom.

Der lateinische Name „Balneum Regis“ bedeutet „Bad der Könige“ und wurde dem Dorf aufgrund der nahen Thermalquellen gegeben, die – wie die Legende erzählt – den Langobardenkönig Desiderius von seinen Kriegsverletzungen heilten.

Ein wenig Geschichte

Civita di Bagnoregio hat etruskische Ursprünge und wurde vor 2500 Jahren gegründet. Die zahlreichen Gräber und Funde in der Nähe bezeugen das ohne Zweifel!

Nach dem Untergang des Römischen Reichs fiel der Ort erst unter die Herrschaft der Goten und dann der Longobarden, bis Charlemagne ihn an das Pontifikat abtrat, das es später an die Monaldeschi Familie übergab.

Der Heilige Bonaventura – der Stolz von Bagnoregio

Ihr fragt euch jetzt sicherlich, warum der Heilige Bonaventura?! Schließlich war sein richtiger Name Giovanni Fidanza … nur die Ruhe, ich werde euch das Geheimnis verraten! Giovanni war der Sohn eines wohlhabenden Arztes und einer Frau, die dem Heiligen Franziskus treu ergeben war. Als Kind wurde er sterbenskrank, erholte sich aber auf wundersame Weise dank der Gebete seiner Mutter. Seither wurde der Junge Bonaventura genannt, was im Lateinischen „gute Zukunft“ bedeutet. Der Heilige Franziskus hat ihm also das Leben gerettet und dafür widmete er im Gegenzug sein Leben dem Heiligen Franziskus und trat dessen Orden bei. Außerdem gilt er als sogenannter „zweiter Stifter des Franziskanerordens“.

Als Doktor Seraphicus lehrte er an der Sorbonne in Paris und war ein Freund des Heiligen Thomas von Aquin.

Die Legende nach wurde er vergiftet, da seine vorgeschlagenen Reformen zu fortschrittlich waren. Bischof und Kardinal, nach seinem Tod wurde er 1482 von Papst Sixtus IV heiliggesprochen und 1588 von Papst Sixtus V zum Kirchenlehrer erklärt. Auch heute noch gilt er als einer der wichtigsten Biographen des Heiligen Franziskus von Assisi. Seine Biographie – Legenda Maior – inspirierte Giotto zum Gemäldezyklus über den Heiligen in der Basilika von Assisi.

Eine sterbende Stadt und die Geschichte der drei Brücken

Civita ist aufgrund der Erosionen der Tuff-Felsen durch Regenfälle, Wind und zweifellos auch der zwei Bäche, die dort fliessen. als sterbende Stadt bekannt. Außerdem wurde die Hälfte der Stadt und die alte Römerstraße, die zur Stadt führte, während eines starken Erdbebens im Jahr 1695 zerstört.

Zu den Naturkatastrophen kamen noch die von Menschenhand gemachten dazu: 1944 sprengten deutsche Truppen die Brücke in die Luft – der letzte Verbindungspunkt zwischen Civita und Bagnoregio. Einige Jahre später, im Jahr 1964, gab es weitere Erdrutsche und die neu erbaute Brücke stürzte kurz vor ihrer Einweihung ein.

Heute kann man die Stadt nur über eine 300m lange Fußgängerbrücke aus Stahlbeton erreichen, die 1965 erbaut wurde.

Fußgängerbrücke, Civita di Bagnoregio
Fußgängerbrücke, Civita di Bagnoregio

Sehenswürdigkeiten

Die San Donato Kathedrale ist die Hauptkirche in Civita. Sie wurde im 7. Jahrhundert erbaut und im Laufe der Jahre mehrmals renoviert. Im Innern befindet sich ein wundervolles Holzkreuz aus dem 15. Jahrhundert.

Das Eingangstor der Heiligen Maria, eine der Symbole von Civita, besteht aus zwei Flachreliefs mit zwei Löwen, die zwei Köpfe zwischen Ihren Klauen halten.

Auch den Bischofspalast muss man gesehen haben! Er ist die Geburtsstätte von Giovanni Fidenza, dem sogenannten Bonaventura.

Zu den Schönheiten von Civita di Bagnoregio zählen auch die surrealen Lehmformationen, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben. Diese und andere natürliche Wunder kann man im Geologischen Erdrutsch-Museum besichtigen.

Civita di Bagnoregio im Fernsehen

In Civita di Bagnoregio wurden einige Filme gedreht, wie z.B. „Die zwei Oberleutnants“ von 1963 mit Toto, „Allgemeine Aufruhr“ von 1970 mit Alberto Sordi, die TV-Serie Pinocchio von 2009 und einige Szenen aus „Eine Frage des Karmas“, ein Film von 2017 mit Fabio De Luigi. Civita di Bagnoregio taucht auch in der Anfangsszene der brasilianischen Seifenoper „Unser Land“ von 2000 auf.

Wusstet ihr, daß Civita di Bagnoregio auch in dem Animationsfilm „Das Schloss im Himmel“ von Hayao Miyazaki zu sehen ist? Seit der Film berühmt geworden ist, hat sich die Anzahl der japanischen Besucher in Civita di Bagnoregio um einiges erhöht. Darum fühlt man sich bei einem Besuch dort, während man von japanischen Touristen umgeben ist, auch ein bisschen japanisch!

Das Schloss im Himmel *
Das Schloss im Himmel *

Eselrennen „La Tonna“

Das Eselrennen „La Tonna“ ist auch sehr beeindruckend. Es wird am ersten Sonntag im Juni und am zweiten Sonntag im September veranstaltet. Dabei kämpfen die einzelnen Stadtteile von Civita in einem Eselrennen gegeneinander.

La Tonna, Civita di Bagnoregio *
La Tonna, Civita di Bagnoregio *

Wer sind die wirklichen Einwohner von Civita? Zur Freude der Katzenliebhaber!

Heutzutage sind die Wächter der Stadt keine Ritter oder Drachen, sondern die Katzen! Die Anzahl dieser Tiere übersteigt mit Sicherheit die der Menschen! Für verrückte Katzenliebhaber wie mich ist dies ein wunderbarer Ort! Die Zeit, die man damit verbringt, Katzen zu bestaunen und Fotos zu machen, ist niemals verlorene Zeit!

Katze, Civita di Bagnoregio
Katze, Civita di Bagnoregio

Also, viel Spaß in Civita – ein unvergesslicher Schatz, im Raum schwebend, manchmal in den Wolken ….wo die Zeit für immer stehengeblieben zu sein scheint.

* diese beiden Fotos stammen von Google Bilder

 

Bibliographie:
„Civita e Bagnoregio“, Maria Luisa Polidori, Bonechi Edizioni „il Turismo“;
„Escursionismo d’Autore nella Terra degli Etruschi. Viaggio nella Maremma laziale“, Giovanni Menechino, Laurum Editrice – 2011

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.